Grippeschutzimpfung für Erwachsene (Influenzaimpfung)

Diese Faktenbox soll Ihnen helfen, Nutzen und Schaden einer Grippeschutzimpfung für gesunde Jugendliche und Erwachsene abzuwägen. Die Informationen und Zahlen stellen keine endgültige Bewertung dar. Sie basieren auf den derzeit besten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die Faktenbox wurde vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz erstellt.

Was ist eine Grippe?

Eine Grippe ist eine Erkrankung, die durch das Influenzavirus ausgelöst wird. Eine Grippe zeigt sich meist durch hohes Fieber, Kopf-, Glieder- und Rückenschmerzen sowie Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Heiserkeit.

Oft wird bei grippeähnlichen Symptomen von einer Grippe gesprochen, ohne dass auf den Influenzavirus hin untersucht wurde. Grippeartige Erkrankungen umfassen in erster Linie die Grippe (Influenza) sowie andere häufige Atemwegserkrankungen, deren Symptome (hohes Fieber, Husten) denen einer Grippe so ähnlich sind, dass medizinisches Fachpersonal die Erkrankung ohne Laboruntersuchung nicht von einer Grippe unterscheiden kann.

Die Übertragung von Influenzaviren erfolgt überwiegend durch virushaltige Tröpfchen, die insbesondere beim Niesen oder Husten entstehen und über eine geringe Distanz auf die Schleimhäute der Atemwege von empfänglichen Personen gelangen. Auch über den Kontakt mit Oberflächen oder Händen, die mit virushaltigem Sekret (Speichel, Auswurf) verunreinigt sind, kann man sich anstecken (z.B. über Türklinken oder Händeschütteln).

Von den 334.000 bestätigten Fällen in der Grippesaison 2017/18 in Deutschland waren Personen in den Altersgruppen ab 35 Jahren, verglichen mit allen Altersgruppen unter 35 Jahren, am häufigsten von einer Influenzainfektion betroffen [2].

Was ist eine Grippeschutzimpfung?

Bei der Grippeschutzimpfung werden inaktive oder geschwächte Influenzaviren in den Muskel oder unter die Haut gespritzt. Das Immunsystem bildet daraufhin Antikörper für diesen speziellen Virus. Kommt eine Person in der Folge mit einem aktiven Influenzavirus derselben Art in Kontakt, kann das Immunsystem schneller auf das Virus reagieren und es bekämpfen [2].

Wer kann eine Grippeschutzimpfung in Betracht ziehen?

Gesunde Erwachsene, die aufgrund ihres Berufes (z.B. medizinisches Personal) in engem Kontakt mit vielen Menschen stehen oder als Überträger für Risikopersonen (ältere Menschen, Schwangere und Menschen mit chronischer Erkrankung) eine Gefahr darstellen [1].

Wann sollte geimpft werden?

In den vergangenen Jahren hat die jährliche Influenzawelle meist nach der Jahreswende begonnen. Da es nach der Impfung etwa 10 bis 14 Tage dauert, bis der Körper genügend Antikörper gebildet hat, empfiehlt die ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts, sich im Oktober oder November impfen zu lassen. Sollte die Impfung versäumt worden sein, kann es in manchen Fällen auch im Dezember oder zu Beginn beziehungsweise im Verlauf der Grippewelle noch sinnvoll sein, die Impfung nachzuholen [1].

Welche alternativen Präventionsmöglichkeiten gibt es?

Die Einhaltung von Maßnahmen der Hygiene, z.B. regelmäßiges Händewaschen (insbesondere vor und nach dem Kontakt mit Risikopersonen) und Desinfektion von wahrscheinlich verunreinigten Flächen und Gegenständen (z.B. Türklinken) kann vor Infektionen schützen. Auch können das Abstandhalten zu Personen mit grippeähnlichen Symptomen und Maßnahmen zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte (z.B. ausgewogene Ernährung, sportliche Betätigung) das Infektionsrisiko senken [1].

Faktenbox Grippeschutzimpfung für Erwachsene (Influenzaimpfung)
Faktenbox Grippeschutzimpfung für Erwachsene (Influenzaimpfung)
Was zeigt die Faktenbox?

In der Faktenbox werden die Grippeschutzimpfung und keine Impfung bzw. eine Scheinimpfung (Placebo) hinsichtlich ihres Nutzens und Schadens bei gesunden Jugendlichen und Erwachsenen zwischen 16 und 65 Jahren miteinander verglichen.

Die Tabelle liest sich wie folgt

Von je 100 gesunden Erwachsenen ohne Impfung bzw. mit Scheinimpfung (Placebo) litten innerhalb einer Grippesaison mit hoher Verbreitung des Grippevirus etwa 10 Personen an einer bestätigten Grippe. Von je 100 Erwachsenen mit saisonaler Grippeschutzimpfung litten 4 an einer bestätigten Grippe in derselben Saison [3]. Das bedeutet, dass 6 von je 100 Personen durch die Grippeschutzimpfung – innerhalb einer Grippesaison mit hoher Verbreitung des Influenzavirus – vor einer Grippe bewahrt werden können.

Die Zahlen in der Faktenbox sind gerundet. Die Zahlen zum Nutzen stammen aus randomisiert-kontrollierten Studien mit zusammen etwa 71.000 Teilnehmenden. Die Zahlen zum Schaden stammen aus randomisiert-kontrollierten Studien mit zusammen etwa 35.000 (Muskelschmerzen), 24.000 (Fieber), 36.000 (Kopfschmerzen) Teilnehmenden.

Was ist noch zu beachten?

Der schwankende Nutzen einer Grippeschutzimpfung hängt direkt davon ab, welche Influenzaviren wo und wie stark verbreitet sind und ob der in der jeweiligen Grippesaison gespritzte Impfstoff zu diesen Viren passt. Da jedes Jahr andere Viren stärker verbreitet sind, ist der Nutzen einer Impfung gegen das Influenzavirus für das jeweilige Jahr oder bei einem neuen Virus nicht genau vorhersehbar.

Erkältungen lassen sich durch die Grippeschutzimpfung nicht vermeiden.

Liefern die Ergebnisse einen Beweis (Evidenz) für den Nutzen und Schaden der Impfung?

Die Aussagekraft der Ergebnisse ist insgesamt von niedriger Qualität. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Ergebnisse zum Impfschutz in Verbindung mit der saisonalen Verbreitung des Grippevirus und der impfbedingten Nebenwirkungen durch weitere Forschung verändert werden.

Versionsverlauf der Faktenbox
  • Dezember 2019 (Update des Begleittextes)
  • Juli 2019 (Update der Evidenz, Update des Begleittextes)
  • August 2016 (Erstellung)
Quellen

Die Informationen für die Faktenbox wurden den folgenden Quellen entnommen:

[1] Robert-Koch-Institut. RKI-Ratgeber für Ärzte: Influenza (Teil 1): Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren. 2018. Abrufbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Influenza_saisonal.html (03.12.2019) 

[2] Buda S, Prahm K, Dürrwald R, et al. Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2017/18. Robert-Koch-Institut (Hg.). doi: 10.17886/rkipubl-2018-003

[3] Demicheli V, Jefferson T, Al-Ansary LA, et al. Vaccines for preventing influenza in healthy adults. Cochrane Database Syst Rev 2018; 2:CD001269.